Passanten beim Straßenfest, Wuppertaler an langen Tischen, fröhlich in die Kamera prostend. Und: die Schwebebahn – das sind Motive aus dem Fotoarchiv der lokalen Westdeutschen Zeitung (WZ). Die Redaktion verschenkt teils 20 Jahre alte Abzüge und legt sie für einen Monat in Cafés des Luisenviertels aus. Jeder darf mitnehmen, was gefällt. Spende erbeten für den Verein Wuppertaler in Not (WiN), den mehrere Medien tragen.

Die Aktion folgt auf den Umzug der WZ in die City Elberfeld. Nach mehr als 50 Jahren im Pressehaus am Otto-Hausmann-Ring haben Redaktion und Verlag Räume am Islandufer bezogen. Bei der Gelegenheit trennten sie sich von einem Teil ihrer Bestände.

Fotoabzüge fielen in Redaktionen früher täglich an. Zu vordigitalen Zeiten bekamen Redakteure von den Fotografen eine Bildauswahl zum jeweiligen Thema auf ihre Schreibtische. Das Passendste ging in die Repro-Abteilung. Rote Linien von Wachsstiften markierten Vorgaben für den Ausschnitt, ein aufgeklebter Zettel nannte Maße für den Druck. Sorgfältige Autoren notierten gleich ein paar Stichwörter für eine Bildunterschrift. Die Abzüge kamen später zu ihnen zurück, dann halfen die Zettel beim Texten.

Fundstücke in Kartons und Postkisten

Es gab Betriebe, die sortierten ihre alten Fotos in Karteikästen, in Archivräumen. Die Bilder erhielten Suchbegriffe, um später darin recherchieren zu können. In anderen Redaktionen sammelte sich das Fotopapier über Jahre im Büro an, in Kartons und Postkisten, auf Fensterbänken, neben vollen Schränken oder zwischen Schreibtischen.

Leute fotografieren, was ihnen wichtig ist. Zeitungen fotografieren, was Leser wiedererkennen. Die Bildmotive haben sich über die Jahre erstaunlich wenig gewandelt. Für Wuppertaler muss es nach Wuppertal aussehen. Wo das nicht geht, funktioniert als Idee: Zeig‘ die Leute. So entstehen scheinbar immer gleiche Szenen der Stadt. Den Fotos zufolge verändert die Zeit nur Mode und Autos.

Bilder von Großprojekten sind selten, weil Neubauten nur alle paar Jahre entstehen. Es schnuppern also Ungenannte an Blumen im Botanischen Garten. Eine Band posiert mit der heutigen Basilika St. Laurentius im Hintergrund.

Namen von Abgebildeten sind selten vermerkt. Von Festszenen gibt es meist ein halbes Dutzend Bilder, aufgenommen im Verlauf einiger Minuten. Mit Glück kann der Betrachter sich selbst entdecken, Verwandte oder Nachbarn.

Foto wurde für Aprilscherz verändert

Eine Fotomontage von 1996 zeigt das Sparkassen-Zentrum neben der Handelskammer mit einem zweiten Büroturm. Eine Kopie des echten Hochhauses hat Fotograf Kurt Keil auf das östlichen Parkdeck gesetzt. Stichwort: „April“. Ein riesiges Schlagloch auf der B7 datiert später. Notiz: „Hier kann man sich die Achse brechen“.

Teils lässt sich der Anlass des Fotos nachvollziehen oder sogar im Internet finden. Um 1999 sanierten Arbeiter den Bismarckturm auf der Hardt. Davon zeugt ein Bild mit einem Baugerüst. Männer in Regenjacken spritzen die Fassade mit Wasser sauber. Die Geschichte dazu erzählt die Webseite eines historischen Vereins.

Kisten mit Fotoabzügen der WZ-Fotografen stehen bis zum 8. Oktober bei beatzundkekse, Bar & Café Luise, Dio’s Taverne, Katzengold, Köhlerliesel und Viertelbar. Im Café du Congo soll die Aktion am Montag (11. September) beginnen.

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